Vergessene Wahrheit

Unser neues Stück
Premiere am 01. 02.2019 um 19:00 im Alten Feuerwehrhaus in Stuttgart Süd

 

Martin Kerner, ein pensionierter Schuldirektor, wird kurz nach seiner Pensio­nierung von der Alzheimer Erkrankung heimgesucht. Sie hin­terlässt deutliche Spuren in seinem Leben und entfremdet ihn von den vertrauten Menschen seiner Umgebung. Als sich sein Zustand zu­nehmend verschlechtert, ent­schließt sich seine Tochter Gitte schwe­ren Herzens, ihren Vater in einem Pflegeheim unterzubringen.

Die neue Heimat wird für Martin zu einem Gefängnis, aus dem er ent­kom­men will. Ohne Erfolg. Weil der unbequeme Bewohner nicht ein­sichtig ist, aggres­siv reagiert und das Personal überlastet ist, wird er durch Medika­mente ruhig­gestellt. Martin zieht sich mehr und mehr in sich zurück, allein gelassen in und mit seiner Welt.

Wie durch Zufall begegnet Martin auf einer Parkbank des Pflegeheims einem Clown. Felix fin­det auf eine eigentümliche Weise Zugang in Martins Welt und versteht mehr und mehr seine wirren Gedanken und seine schnell wechselnden Gefühlsqualitäten. Auf einer abenteuerlichen Reise durch eine fantasievolle Welt entecken sie die kleinen Dinge des Lebens, an denen sich Martin kindlich freuen kann. Mit und mit gelingt es Felix biografische Frag­mente von Martins Geschichte zu begreifen und gekonnt darauf einzu­gehen. Die Krankheit hat Martin aber auch dünnhäutiger und sen­sibler gemacht für sein nicht verar­beitetes Trauma der Kriegskindheit, der depressiven Erkrankung seiner Mutter und ihren tragi­schen Tod. Durch die achtsame und liebvolle Begleitung von Felix kann Martins verwundete kindliche Seele wieder Ruhe finden.

Ein Theaterstück von Karlo Müller |  Bearbeitung: Sabine Knyrim    | Regie: Karlo Müller
In den Rollen:

Martin Kerner: Ferdinand Rother
Gitte/ Pflegerin: Sonja Kromer
Felix:  Oliver Kurz
Neuer Direktor/Arzt: Karlo Müller

Über das Theaterstück

„Vergessene Wahrheit – Bruchstücke“ ist ein leidenschaftlicher Appell, hinter der bröckelnden Fassade eine bleibende Schönheit zu erspüren. Hinter der Demenzerkrankung den Menschen in seiner Einzigar­tigkeit mit seinen grundlegenden Bedürfnissen zu entdecken und sich in der Begegnung darauf einzu­lassen. Letztlich geht es um die Stillung der tiefen Bedürfnisse, die wir seit unserer frühesten Kindheit in uns tragen. Menschen mit Demenz halten uns den Spiegel vor, als wollten sie uns mahnen, wieder zu unserer ursprünglichen Sehnsucht zurück zu finden. Es geht um den Wunsch nach Nähe und Intimität; nach ganzheitlichem Ausdruck der Gefühle ohne intellektuelle Überfrachtung; nach Körperkontakt, Berührtwerdenwollen und selber Berühren wollen; nach Gehaltenwerden und selber halten wollen; nach Trost für den erlittenen Schmerz, nach Schutz und Geborgenheit vor dem Erleben von Panik und Angst und nach Heilung der Wunden des Lebens.

Der Clown Felix wird gegenüber Gitte zum Übersetzer von Martins Sprache, die jenseits aller rationalen Logik liegt und doch eine tiefe vergessene Wahrheit zum Ausdruck bringt. Das Leben in seiner facetten­reichen Vielfalt ist letztlich doch schön und macht Sinn, auch wenn man ihn oft erst im Nachhinein ver­stehen kann. So kann auch der Clown in uns zum Botschafter für diese vergessene Wahrheit werden. Er lädt uns dazu ein, das Leben auf eine nicht einseitig rationale Art und Weise wahrzunehmen. Er ist ein lebendiges Plädoyer dafür, immer wieder kreativ und intuitiv neue Möglichkeiten des Miteianders zu erforschen. Im Hier und Jetzt der Begegnung dem Leben neuen Ausdruck zu verleihen; einfühlsam und achtsam in der sanften Berührung des Körpers auch die Seele des anderen zu berühren.