Ich würde ja, wenn …

Wenn ich mit Menschen arbeite, die schon länger arbeitslos sind, höre ich oft Sätze wie diese: „Ich würde ja jede Arbeit annehmen, wenn sie besser bezahlt wäre. Ich würde ja mehr Einsatz zeigen, wenn es sich lohnen würde. Ich wäre ja erfolgreich, wenn ich nicht immer wieder daran gehindert würde.“ Aha! So ist das also. Das Wörtchen „wenn“. Während ich rede, sehe ich oft in müde Gesichter, ohne innere Spannkraft und Energie. Auch wenn sie lächeln, bleibt sie meist nur oberflächlich, in der Tiefe herrscht Resignation und Rückzug. Wenn ich ihnen dann erzähle, was sie noch alles machen könnten und, dass es eigentlich doch gar nicht so kompliziert ist, im Leben etwas zu erreichen, wenn ich versuche sie zu ermutigen und zu motivieren, beiße ich meist auf Granit. Vielleicht lässt sich der eine oder andere ein bisschen kitzeln und kurzfristig zu neuen Gedanken anstiften, aber bei der Mehrzahl der Anwesenden stößt meine Botschaft auf taube Ohren.

Sicher, es liegt auch an mir, wie ich die ganze Sache rüberbringe, ob ich selbst an meine Worte glaube und danach lebe. Das spüren Menschen sofort. Aber zu einem großen Teil liegt es auch an den Teilnehmern. Denn ich arbeite auch mit Gruppen, wo es völlig anders läuft. Nicht nur, dass die meisten Arbeitslosen nicht freiwillig kommen, sondern, dass sie entweder überhaupt nicht daran glauben, dass sich irgendetwas für sie ändern könnte oder dass sie nicht wirklich bereit sind, das Notwendige dafür zu tun, um ihre Lage zu verbessern. Viele haben sich in ihrem Zustand irgendwie eingerichtet – das ist menschlich, wenn man für längere Zeit irgendwo ist –  manche fühlen sich darin auch wohl und wollen letztlich auch nicht da heraus. Aber es gibt auch Teilnehmer, die wirklich etwas verändern wollen, aber nicht wissen, wie sie es anstellen sollen.

Es ist die innere EINSTELLUNG und das TUN, das für alle Veränderung im Leben ausschlaggebend ist. Bevor es aber darum geht, irgendetwas zu tun, muss sich die innere Einstellung ändern, der eigene Denkrahmen. Albert Einstein sagte einmal, eine vorgefertigte Meinung sei schwerer zu zertrümmern als ein Atomkern. Wie wahr. Das erlebe ich täglich. Menschen halten gewöhnlich mit allen nur denkbaren Mitteln an ihrer Einstellung fest, auch wenn sie negativ ist oder sie in den Ruin stürzt. Meistens wird der eigene Standpunkt nicht hinterfragt, sondern selbstverständlich als wahr vorausgesetzt. Wer der Überzeugung ist, dass nichts mehr geht, dessen Wahrnehmung fokussiert sich auf das Nichtmachbare. Er wird frustrierend erkennen, dass wirklich nichts mehr geht und fühlt sich in seiner vorgefassten Meinung bestätigt. Ein unheilvoller Teufelskreis. „Ich habe es doch gleich gesagt, dass ich diesen Job nicht bekomme. Jetzt seht ihr es auch.“

Ein 55 jähriger Arbeitsloser sagte mir energisch: „Herr Müller, was reden Sie denn da von Möglichkeiten? Seien wir doch ehrlich. 90 % ist doch verbaut, ist Mist. Da geht nichts mehr. Das haben wir doch alles schon probiert. Glauben Sie mir, das bringt gar nichts!“ Mein Antwort kam spontan: „Wer oder was hindert Sie denn daran auf die 10 % zu schauen, die noch gehen könnten? Warum schauen Sie denn auf die 90 % Mist und lassen sich davon runter ziehen?“ Fünf Sekunden schweig er, dann argumentierte er auch dagegen. Zu einer solchen Sichtänderung wäre eine folgenschwere Entscheidung notwendig. Dieser Mann müsste sich von seinem Negativfokus verabschieden und woanders hinschauen. Das wird er aber nicht tun. Weil damit auch eine komplette Änderung seiner Einstellung verbunden wäre. Er müsste die volle Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen und könnte nicht mehr dem Staat, den Zeitarbeitsfirmen, seiner Exfrau und anderen Ausbeutern die Schuld geben. Was hätte er dann noch? Er müsste sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und das fällt verdammt nicht leicht.

Es ist die Eigenheit von uns Menschen, dass wir im Grunde immer Recht haben wollen mit dem was wir sagen und denken. Wir richten unbewusst alle Handlungen darauf aus und arrangieren sie so, dass das Ergebnis am Ende unser Vorurteil wieder bestätigt. Was fatal für die negativ Denker ist, ist zugleich aber genial für die positiv Denker, denn sie werden genauso die positiven Früchte ernten, die sie gesät haben, wie die ersteren die negativen.

Aber weg von den Langzeitarbeitslosen hin zu uns, zu Ihnen und mir. Wollen wir unsere Lebensumstände wirklich verändern? Sehen wir das überhaupt als sinnvoll oder erstrebenswert an? Nur dann würden wir es ja auch tun. Wollen wir in unserer Persönlichkeit noch wachsen, auch wenn wir schon 50, 60 oder 75 Jahre sind? Wollen wir zu dem besten werden, der wir sein können? Wollen wir unser reiches Potenzial entdecken und ausschöpfen? Wollen wir den Schatz heben, der in uns vergraben ist? Glauben wir überhaupt an einen Schatz in uns? Wenn ja, sind wir bereit auch die Arbeit auf uns zu nehmen, die damit verbunden ist, ihn zu heben?

Tja. Hier werden sich die Geister scheiden. Den einen fehlt immer der Glauben daran, den anderen der Mut, die nächsten sind zu bequem und andere haben zu viele Gründe, die dagegen sprechen könnten etwas zu verändern, die Angst vor unbekanntem Terrain. Es gibt doch – gottseidank – immer genügend Ausreden, die sich als logisches Alibi finden lassen, nichts verändern zu müssen.

Aber es gibt da noch eine kleine Gruppe von Veränderungswilligen, von Menschen, die mehr wollen und sich nicht mit dem Schein begnügen lassen, die in sich eine Sehnsucht tragen nach einem Leben in größerer Fülle, Freiheit und Vitalität. Menschen, die eine heilsame Unruhe in sich verspüren, die sie immer in Bewegung hält. Eine Vision, lohnenswerte Ziele, die sie magisch anziehen. Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, gratuliere ich Ihnen. Ich lade ich Sie ein: Lassen Sie sich anstiften zum Querdenken, zu neuen Sichtweisen. Ich möchte Sie ermutigen, Ihre verfestigten Lager zu verlassen und aufzubrechen zu anderen Ufern. Über das Neuland, das Sie entdecken werden, werden Sie überrascht sein! Es lohnt sich. Statt „Ich würde ja, wenn …“  sagen Sie „Ich tue es einfach.“ Und eines Tages werden Sie sagen: Warum bin ich diesen Weg nicht schon früher gegangen.

 

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