Flüchten 2017

Irgendwo in Deutschland im Jahr 2017. Ein Wartesaal füllt sich mit Menschen, die einander so fremd sind, wie ihre Herkunft und ihre Geschichten. An diesen Ort bestellt, weiß doch letztlich keiner von wem oder warum. Was sie eint – ihre Flucht: vor dem Krieg in Syrien, vor der Perspektivlosigkeit in Afrika oder dem Schrecken ihrer Kindheit; weil sie nicht wissen, wohin mit sich selbst; vor ihrem eigenen Gewissen, vor einer vergangenen Schuld, vor der Auseinandersetzung mit einer fanatischen Überzeugung.

Nach und nach erfahren die Flüchtlinge, dass sie diesen Ort erst dann wieder verlassen können, wenn sie in sich selbst und miteinander Frieden gefunden haben. Gezwungen, sich diesen Regeln unterwerfen zu müssen, entwickeln sich Koalitionen und Feindschaf­ten, Intrigen und Rettungsversuche, Kampf und Unterwerfung. Erst als Amira sich traut, mitten in dieser beklemmenden und explosiven Atmosphäre ihre Geschichte zu erzählen, scheint der Bann gebrochen …

 

Zum Stück 

Irgendwo sind wir als Flüchtende. Die Frage ist nur wovon und wohin wir flüchten.
Wenn Betroffene auf Gleichgültige treffen und Opfer auf Täter, dann geht es auch um die Fragen, wie viel Toleranz und Andersartigkeit eine Gemeinschaft ertragen kann, ohne daran zu brechen? Wie viel Mitgefühl wir brauchen und wie viel Distanz gegenüber dem Leid der andern wir uns leisten können. Und: Wie wir es miteinander aushalten, wenn Men­schen in unserer Nähe sind, denen wir immer aus dem Weg gegangen sind, deren Überzeugung und Weltbild dem unsrigen entgegensteht.

Das Stück zeigt die Nöte und Abgründe von Menschen auf, aber auch die Möglichkeiten, sich aus dem Zwang, die erlittene Unheilsgeschichte fortschreiben zu müssen, herauszulösen und über sich selbst hinauszuwachsen. Es geht darum, die Geschichten und die Lebensent­würfe der anderen zu verstehen und die festgefahrenen Weichen der Vergangenheit in der Gegenwart neu zu stellen, damit eine andere Zukunft möglich wird. Es geht um das Wie­derentdecken einer tiefen menschlichen Solidarität; um in den Spiegeln, die andere uns vorhalten, einen Teil unserer selbst zu erkennen.

Flüchten 20´17 ist letztlich ein leidenschaftlicher Appell zur Versöhnung. Ein Aufruf, die eigene Position, auch wenn sie noch so einleuchtend und wahr erscheint, durchleuchten zu lassen, trotz aller unvereinbaren Gegensätzlichkeiten an der Möglichkeit einer Versöh­nung festzuhalten, entgegen aller Logik an die Liebe zu glauben.

 

Geplante Aufführung im Frühjahr 2017